Gestern war ein sehr, sehr dunkler Tag. Dabei fing alles so gut an. Ich habe mit Tino den ganzen Tag verbracht. Wir waren im Tierpark (sein Lieblingsort *wie langweilig*) und anschließend Eis essen. Dann haben wir zusammen auf seinem Balkon gelegen und Zeitung gelesen. Es war so herrlich entspannend, dass ich mir gewünscht habe, der Tag würde nie vorbei gehen.
Leider war Tino noch mit seinen Kumpels verabredet, so dass ich mich gegen sieben auf den Heimweg machte. Ich wollte den Abend nutzen, um endlich Marie wiederzusehen und ihr von meiner neusten Errungenschaft zu erzählen. Wir trafen uns in der Solarbar. Es hätte ein wunderbarer Abend sein können, bis ich ihn sah.
Erst dachte ich, ich würde ihn verwechseln. Ich musste zwei Mal hinsehen. Da saß Tino, zusammen mit einer Blondine, händchenhaltend und wild flirtend. Man sah, dass sie sich zurück halten mussten, sonst wären sie übereinander her gefallen. Ich fühlte mich, als ob mir jemand einen gigantischen Holzpflock ins Herz stoßen würde.
Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Es war einer dieser Momente, in denen man starr vor Schock unfähig ist, etwas zu tun, um dann später tausende von Szenarien im Gedanken durchzuspielen, wie man hätte reagieren können. Ich wollte nicht noch einmal die Chance verpassen und so ging ich zu ihm rüber und schüttete ihm meinen Cosmopolitan ins Gesicht. Seine Begleitung starrte mich mit weit aufgerissenen Augen an. Ich drehte mich wieder um und schritt stolzen Schrittes davon. Marie folgte mir still.