Hans hatte ein Feuer in mir entfacht. Nun gut, es als ein Feuer zu bezeichnen ist vielleicht etwas übertrieben. Bezeichnen wir es lieber als kleines Flämmlein. Was mich vorher abgeschreckt hatte, fand ich nun extrem anziehend. Ich verstand selber gar nicht, was mich so an ihm reizte. Vielleicht war es seine Selbstsicherheit. Seine Ruhe. Seine Ausstrahlung. Ich hatte das Gefühl er war mit sich und seinem Leben im Reinen. Nicht so wie die anderen Typen, die ich immer kennenlerne. Die großspurig daher reden und wo doch nichts dahinter steckt. Hans dagegen erschien mir erwachsen. Seine beiden Füße in Schuhgröße 43 standen sicher mitten im Leben.
Es war ein perfekter Moment. Die Erdbeertorte schmeckte vorzüglich und der Schaum des Latte Macchiatos war perfekt. Hans überließ mir das Plaudern und so wie ich vorher an seinen Lippen gehangen hatte, hing er jetzt an meinen. Er quetschte mich aus wie eine Orange, was ich zuließ. Normalerweise bin ich ja, was das betrifft, etwas empfindlich. Ich erzähle ja schließlich nicht jedem dahergelaufenen meine Lebensgeschichte. Und erst recht nicht jeder Blind-Date Bekanntschaft. Hans aber hatte die erste Hürde genommen – meine Skepsis. Ich sah ihn nicht länger als den gefährlichen, irren, Dämonen jagenden Bestatter an, sondern fand ihn jetzt vertrauensvoll, lieb, beschützend, humorvoll.
Nachdem sein Wissenshunger gestillt war und wir unsere Torte bis auf den letzten Krümel verputzt hatten, beschlossen wir noch ein wenig durch die Läden zu bummeln. Mein Plan dabei: Ihn zum Kauf von etwas farbenfroherer Kleidung zu motivieren. Das viele schwarz empfand ich als leicht deprimierend.
Schöner Moment, liebevoll in eine kleine Erzählung verpackt. Es sind die kleinen Dinge, die uns glücklich machen.
Jeder Waldbrand begann einmal als kleines, loderndes Flämmchen.
Kommentar by philopanterin — 9. Mai 2010 @ 21:06