Anna ist 29 und findet: Langsam wird’s brenzlig.

Was ist eigentlich eine Doppelkarte?

Leichte Kost – Bücher die man neben Windeln wechseln und staubsaugen lesen kann. Beim nächsten Mann wird alles anders – so oder so ähnlich heißen sie und führen bei dauerhaften Genuss, genau wie Drogen, zu bestimmten Ausfallerscheinungen. Hysterische Frisörbesuche, flache Telefongespräche mit der besten Freundin, die einen hysterischen Maniküretermin hinter sich hat. Das geht eigentlich gar nicht. Die Geschichte meiner Freundin Maria besteht ebenfalls aus Ausfallerscheinungen, die aus übermäßigem Genuss flacher Literatur resultieren. Sie hört sich mittlerweile genau so an, wie eine ihrer gescheiterten (ohne sich selbst so zu sehen) Roman-Heldinnen. Ganz klassisch: Verliebt ist sie in ihren Chef, der Bernd heißt. Ihre Hobbys sind nicht mehr Sport im Freien und Theaterbesuche, sondern Strampeln im Fitnessstudio und Frisörtermine. Ansonsten schlürft sie gerne überteuerte Kaffee-Spezialitäten, die eigentlich gar nicht so speziell sind, dafür aber doppelt so viel kosten und in einem angesagten Becher gekauft werden. Man gönnt sich ja sonst nichts. Unsere Gesprächsthemen beschränken sich seit ihrer neuen Liebe zu den von Küthys dieser Welt auf nicht vorhandenen Sex mit dem Traummann und Stars aus dem Klatsch-TV.

Ein cooles Auto hat sich jetzt auch gekauft, ein pinkes. Damit fährt sie vor dem Haus ihres Auserwählten auf und ab. Letztens hat sie ihn dann angesprochen. Vorwand war, sie wisse nicht, wie man das mit der richtigen Kfz-Versicherung macht. Er hat es ihr geklärt, mehr aber auch nicht. Aber das reichte dann auch. Sie rief mich an und kreischte stundenlang das nach, was er ihr wahrscheinlich in fünf Minuten erklärt hatte. Nun, sie weiß jetzt jedenfalls was eine Doppelkarte ist und wie das mit einem Kfz-Versicherungsvergleich geht, damit sie Geld sparen kann. Er ist ihr Held. Wenn das so einfach ist, Held zu sein. Leid tut sie mir schon, die Anforderungen werden eher niedriger als höher. Geistiger Anspruch? Anspruch an einen Mann? Anspruch an sich selbst? Fehlanzeige.

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