Heute ist es endlich soweit. Seit einer gefühlten Ewigkeit fiebere ich diesem Tag entgegen. Ich konnte erstaunlich gut schlafen und bin überrascht als ich aufwache und feststelle, dass es schon 11 Uhr ist. Die Zeit bis zum Abend verbringe ich vor allem damit ein wenig über meine alten Beziehungen zu sinnieren. Vor meinem Ex, der mich bewog nach Berlin zu kommen, gab es Stephan. Stephan mit -ph-, wie er es zu betonen pflegte. Er war herrschsüchtig, unsensibel, aber verdammt gut aussehend. Natürlich habe ich letzteres zu erst bemerkt und ersteres viel zu spät. Ich war viel zu hingerissen von ihm, denn er sah aus, als wäre er gerade einer Werbekampagne von Calvin Klein entsprungen. Bis er dann jähzornig wurde, weil ich ihm wiedersprach. Ich packte meine Sachen und war weg.
Davor war da Nik, ohne -ck-. Er war meine große Sommerliebe. Sommerlieben sind etwas wundervolles, vor allem wenn sie tatsächlich nur einen Sommer dauern. Dann erinnert man sich auch Jahre später noch an die gemeinsame Zeit am See. An das nächtliche Schwimmen und die Picknicke auf dem Feld. An die lauen Sommernächte, in denen man beisammen saß und stundenlang über Gott und die Welt philosophierte. Ans Fahrradfahren zu zweit, bis man stürzte. Ans Eis essen und zusammen im Park sitzen. Dieser Sommer war perfekt und so bleibt er, in seiner Vollkommenheit, für immer in meiner Erinnerung. Nik habe ich nie wieder gesehen, denn er verbrachte nur wenige Monate in Stuttgart, wo ich zum damaligen Zeitpunkt studierte. Aber das ist nicht schlimm, denn wenn ich so drüber nachdenke, dann war das die schönste Beziehung, die ich bisher hatte. Jeder Tag war aufs Neue aufregend und das Kribbeln im Bauch lies nie nach. Was natürlich daran lag, dass unsere Beziehung das Verliebtheitsstadium nie verlassen hat. Aber genau das war das Schöne.